Geschichte 31

Oktober 15, 2008

September 3, 2008 um 7:06 Uhr nachmittags

In meinem Dorf in der Nähe Hamburgs werden alle 80-jährigen Jubilare besonders geehrt. Wir kamen noch gar nicht auf die Idee, auch die greisen Flüchtlinge zu ehren, dabei leben sie doch mittlerweile schon über 60 Jahre in unserer Gemeinde.

Advertisements

Geschichte 30

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 11:02 Uhr nachmittags

Am 21. August 2008 besuchte ich in der Kopenhagener Uni das Concert Claus Beck-Nielsen Memorial. Ich saß in der ersten Reihe. Nach dem ersten Stück fragte der Sänger auf deutsch: Ist hier jemand aus Deutschland? Ich antwortete auf deutsch: Hallo, ich, ich bin aus Deutschland. Ich merkte, daß ich die einzige Deutsche war, bzw. die einzige, die sich gemeldet hatte. Dann fing er an, auf Deutsch zu reden, mit dem Tonfall, der Lautstärke und der Tonlage wie es die Nazis drauf hatten. Ich war so geschockt, alte Traumata kamen hoch (ich bin 1942 geboren), dass mir die Tränen in die Augen schossen und ich den Raum verließ. Nun stand ich draußen mit meinem Rucksack und schluchzte, kam mit der Situation nicht zurecht, wußte nicht, was tun. Kurz darauf kam meine Platznachbarin, eine freundliche Dänin, Professorin in Roskilde, raus zu mir, tröstete mich und nahm mich wieder mit rein. Sie meinte nach dem Konzert, dass es in Dänemark eine Tendenz vor allem in der Kulturszene gibt, sich politisch korrektem Verhalten zu entziehen.

Geschichte 29

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 10:36 Uhr nachmittags

Auch in Trennfeld gab es Flüchtlingsgärten. Sie reichten von dem Grundstück des ehemaligen Gasthauses Gebhart bis zur Mainbrücke. Den Acker stellte der Fürst zur Verfügung.

Geschichte 28

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 10:34 Uhr nachmittags

Aus Trennfeld ging auch ein fremder Junge, vermutlich ein Flüchtlingskind, in die Oberschule nach Wertheim. Er ist immer gelaufen. Eines Tages überholte der Zug mit der Dampflok den Jungen im Tunnel. Da kam der Junge ganz schwarz in der Schule an.

Geschichte 27

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 10:32 Uhr nachmittags

Ich fuhr mit dem Zug von Trennfeld nach Wertheim auf die Oberschule. Des öfteren waren englische Tiefflieger unterwegs und man fürchtete, der Zug könne beschossen werden. So blieb der Zug im Tunnel stehen, bis die Fliegergefahr vorbei war. Dann fuhr der Zug weiter.

Geschichte 26

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 10:29 Uhr nachmittags

Der Oberlehrer Machbert, Mitglied der NSDAP, hat mit seinen Schülern auf dem Kirchplatz vor der Schule in Trennfeld eine Hitlerlinde gesetzt. Er wohnte in der ehemaligen Trennfelder Schule. Die Linde wurde nach dem Ende der Hitlerdiktatur wieder gefällt.

Geschichte 25

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 10:27 Uhr nachmittags

Ein Mitglied eines englischen Jagdbombers – ein junger Kerl, hing tot in seinem Fallschirm in einem Kirschbaum auf der Trennfelder oder Rettersheimer Gemarkung. Ich bin damals nicht hingelaufen und habe ihn nicht gesehen.

Geschichte 24

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 10:25 Uhr nachmittags

Ich meine mich zu erinnern, dass in den letzten Jahren die Verwandten des in Homburg tödlich abgestürzten englischen Bomberpiloten nach Homburg kamen, um sein Grab zu besuchen.

Geschichte 23

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 10:23 Uhr nachmittags

Als ich 13 Jahre alt war habe ich beobachtet, wie ein brennendes englisches Militärflugzeug aus Richtung Westen kommend nach Homburg flog und dort abstürzte. Der Pilot war tot und wurde in Homburg beerdigt.
Um den brennenden Flieger zu sehen, machten sich viele Trennfelder auf, um nach Homburg zu gelangen. Die Mainfähre war überfüllt. Ich weinte, war geschockt, klammerte mich an meinen Vater und blieb mit ihm in Trennfeld. Bis heute habe ich diese Tragödie nicht vergessen, wenn ich in den Himmel nach Westen schaue, muss ich oft an den armen Flieger denken, der so jung starb.

Geschichte 22

Oktober 15, 2008

August 29, 2008 um 2:01 Uhr nachmittags

Wir fanden 1973 eine Wohnung in Schloss Triefenstein am Main, im Gärtnerhaus des ehemaligen Chorherrnstifts. 1986 kauften die Christusträger die gesamte Anlage, renovierten sie und schufen ein bedeutendes religiöses Zentrum. Wir mußten damals leider die Wohnung aufgeben, fanden aber in Trennfeld eine neue Bleibe. Ich werde immer noch gefragt, woher ich denn eigentlich sei? Meine Eltern sind gebürtige Schlesier. Meine Mutter stammte aus Hindenburg (Zabrze), mein Vater aus Breslau (Wrazlaw). Ich wurde 1942 während der deutschen Besatzungszeit in Litzmannstadt (Lodz) geboren. Nach langen Jahren des Umherirrens nach Flucht und Vertreibung und der Suche nach verstreuten Familienangehörigen, trafen meine Mutter, meine jüngere Schwester und ich unseren Vater, am 1. Mai 1946 in Kasendorf bei Kulmbach. Es war mein vierter Geburtstag.